Sissy Sander
hätte wirklich das Zeug, um zur Champagner-, Prada- und High-Heels-Fraktion zu
gehören: Single, hübsch, erfolgreiche Nachrichtensprecherin bei einem
Radiosender, witzig und klug. Doch das will sie einerseits gar nicht (na ja,
vielleicht einmal im Jahr) und andererseits hat Sissy mit ganz anderen
Problemen zu kämpfen. Da ist ihr neuer Chef, der kein gutes Haar an ihrer
Arbeit lässt, und da sind Schatten aus ihrer Vergangenheit, die Sissy nicht zur
Ruhe kommen lassen. Und da ist ihr Selbstwert. Jämmerlich und klein.
Was nützt es
Sissy, in so einer Situation ihrem Traummann über den Weg zu laufen? Dabei ist
Alessandro DeMonti, italienisch-stämmiger Österreicher, vermutlich der tollste,
schönste und klügste Mann auf dieser blauen Kugel.
Was Sissy nicht
wissen kann, ist außerdem, dass ein elendes Pack an Taugenichtsen – sie nennen
sich selbst die „Reiter der täglichen Apokalpyse“ – aus Aletheia beschließt,
sich genau ihre Radioredaktion vorzuknöpfen. Super. Angst, Wut, Zorn, Ärger und
Neid fallen über die ahnungslosen Redaktionsmitglieder her.
Zum Glück
existieren in Aletheia, einer geheimnisvollen Simultanwelt, aber auch ganz
andere Geschöpfe. So erhält Sissy unerwartet Hilfe von Wesen, an deren Existenz
sie nie geglaubt hätte, die ihr Weltbild bis in die Grundfesten erschüttern und
die doch so real existieren wie ihr Mikrofon …
Eine
Liebesgeschichte, die sich mit nichts vergleichen lässt und die Sie in die
fantastische Welt Aletheias entführt. Vielleicht begleiten auch Sie tagtäglich
die Wesen Aletheias? – Diva Liebe kratzt an den Grenzen des Denkbaren.
Leseprobe:
Sissy suchte,
halb dem Herzinfarkt nahe, in ihrer wundervoll bunten, aber völlig
unpraktischen Handtasche nach dem verdammten Schlüssel für den Haupteingang des
Bürogebäudes. Dort befand sich nämlich die Radioredaktion, in der sie
arbeitete.
Sie ging ein paar
Schritte vom Parkplatz zum Haupteingang. Es war zum Auszucken! Schlechter
konnte ihre Laune nicht sein. Leider war es gerade einmal vier Uhr morgens, und
die Aussicht auf diesen Frühdienst fühlte sich so prickelnd wie eine
Essigdusche ihres Magens an.
Weiter in ihrer
Tasche kramend und unansehnlich verkrümmt, näherte sich Sissy fluchend der
Eingangstüre zum Gebäude. Just in dem Moment, in dem sie endlich das Band vom
Schlüsselbund mit festem Griff umklammern und sichern konnte, öffnete sich die riesige
Glastür vor ihr - von innen!
Ein offensichtlich
gut gelaunter, verboten schöner Mann hielt formvollendet die Türe für Sissy
auf.
Wie peinlich! Sie
hatte ihn gar nicht kommen sehen.
Sissy, nach wie
vor körperlich in eine Art Yoga-Stellung für Fortgeschrittene verwrungen und
sauer auf Gott, die Welt, ihren Chef und das Leben im Allgemeinen, hopste
undamenhaft zur Türklinke, ergriff sie rasch und murmelte verschämt ein leises,
„Danke“.
Natürlich nicht
ohne diesen fremden Mann aus den Augenwinkeln intensiv gemustert und sich
selbst in eine Erdspalte gewünscht zu haben. Wow! Wie der aussah!
Der Unbekannte
verharrte einen Moment zu lange an der Tür, lächelte sie mit offenem Interesse
an und erwiderte schmunzelnd, „Aber gerne“.
Dabei bildeten
sich unwiderstehliche, kaum wahrnehmbare Grübchen auf seinen Wangen, und seine
Augen funkelten verheißungsvoll.
Aber es war nicht
seine umwerfende Schönheit, die Sissy elektrisierte. Irgendetwas in seinem
Blick sagte ihr, dass das, was hinter der Oberfläche lag, noch viel spannender
war.
Sissy spürte, wie
eine Schockwelle durch ihren Körper jagte, und verschwand, so schnell sie
konnte, im Gebäude.
Dem Fremden
musste es ähnlich ergangen sein, denn er eiste sich mit einem kraftvollen Ruck
von der Türe los und zog eiligen Schrittes davon.
So ein
interessanter Mann, dachte Sissy, sich nun im Inneren des Hauses in Sicherheit
wiegend. Schnuckelig. Wie alt er wohl ist? Ein bisschen älter als ich, so um
die vierzig vielleicht?
Das waren jetzt jedoch
weder Zeit noch Ort, um sich über jemand anderen ausladend Gedanken zu machen,
auch wenn dieser Fremde sämtliche, derzeit angesagte männliche Filmstars zu
Anbetungsobjekten für ewig Gestrige herabstempelte. Aber das war ohnehin
hinfällig. Sie fühlte sich gerade so sexy wie ein stinkender Turnschuh. Oder
so.
Jetzt lautete die
Übung, bloß schnell zum Fahrstuhl, rauf in den neunten Stock, rein in die Radioredaktion.
Computer aufdrehen, Passwort eingeben und bei den Nachrichtenagenturen aller
Welt nachsehen, ob sich die Welt noch drehte.
Die Welt der Nachrichten
hatte Sissy wieder voll und ganz in Beschlag genommen.
Ihre diensthabenden
Kolleginnen und Kollegen begrüßte Sissy mit einem zerquetschten, „Guten Morgen!“.
Dann machte sie sich wortlos an die Arbeit.
Sissys Finger
schwirrten über die Tastatur ihres Computers. Eine Meldung nach der nächsten
visualisierte sich auf dem Bildschirm.
Mit einem kurzen,
routinierten Kontrollblick stellte Sissy sicher, dass sie in Kürze alles, was
sie zum Präsentieren der Nachrichten benötigte, auch tatsächlich auf ihrem
Bildschirm im fünf Meter entfernten Sendestudio vorfinden würde. Mit der nun
freien rechten Hand riss Sissy noch schwungvoll ihren Kopfhörer vom Tisch.
Nur
Sekundenbruchteile später stand sie höchstpersönlich am Nachrichtenpult des
Sendestudios. Sie glich einer griechischen Statue mit dem Schönheitsfehler des
Kopfhörers auf ihrem Haupt, und begann mit samtweicher und zugleich
hochprofessioneller Stimme die Nachrichten zu verlesen.
Das war ihre Welt.
Das war das einzige in ihrem derzeit eher jämmerlichen Dasein, das sich gut
anfühlte.
Sissy war mit der
ersten Sendung des Tages so halbwegs zufrieden. Nun wusste auch die Welt, also
alle Hörer im kleinen Österreich, dass grundsätzlich alles in Ordnung war. Die
Erdkugel drehte sich nach wie vor in der von Physikern erdachten Rotation,
somit war nichts geschehen bis auf einen schweren Autounfall und einer in der
Nacht zu Ende gegangenen, sinnlosen Regierungssondersitzung zum Thema »Wir
können uns die Pensionen nicht mehr leisten«.
In einem Anflug
von Selbstzufriedenheit lächelte Sissy.
Rechtzeitig,
bevor sie dieses Gefühl einlullte, erinnerte sie sich an die bevorstehende
Morgenshow-Redaktionssitzung um neun Uhr mit dem mehr oder weniger neuen Chef,
Marke hart wie Kruppstahl und Ich-finde-immer-einen-Fehler. Ihr graute schon
jetzt davor. - Ihr übersaurer Magen war ähnlicher Ansicht.
Aber wenigstens
hatte Sissy mittlerweile ihr tägliches Morgentief überwunden und war wieder in
der Lage Gespräche zu führen. Und blitzartig huschte das Lächeln des Fremden
durch ihre Gedanken. Sie konnte nicht anders, es brachte auch sie zum Lächeln.
Dieser
intelligente, tiefgründige Blick. Das ist mein Märchenprinz. Ganz bestimmt!
Ihr Bauch
kribbelte bei diesem Gedanken unartig und ihr Herz schlug schnell. Auffallend
schnell.
Und schon erstarb
es wieder, Sissys Lächeln. Er hatte einfach zu toll ausgesehen, um wahr zu sein
oder um sich für sie zu interessieren. Schade eigentlich.
Nein. Falsch.
Superschade und hundsgemein war das! Welche Frau bekam eigentlich so einen Jackpot-Typen?
Sie nicht. - Aus Sissys Sicht eine unumstößliche Tatsache.
***
„Wo ist mein
neues schwarzes Hemd?“, rief Markus fragend in Richtung Schlafzimmertüre, die
es vorzog, zu diesem Thema vornehm zu schweigen. Eigentlich hatte er von seiner
Freundin Jasmin, die aber unglücklicherweise gerade im Bad war, eine Antwort
erwartet. Fehlanzeige.
„Immer muss ich
alles alleine machen“, grummelte Markus Wagner in sich hinein, fand das gesuchte
kurzärmelige Hemd dann doch im Kasten, eingewickelt in Folie, frisch von der
Putzerei. So etwas Gefährliches wie Bügeln konnte Jasmin ihren Designernägeln
definitiv nicht zumuten. Klar. Wieso auch. Schön sein musste reichen.
Wie immer in
Schwarz gekleidet, mit einer dünnen Sommer-Lederjacke lässig über den linken
Unterarm geworfen, verließ Markus sein Schlafzimmer, um sich noch kurz die
Nachrichten und den Morgenmoderator im Radio anzuhören. Das gelang ihm nur
bedingt, denn mitten in die Nachrichten über die Regierungssondersitzung von
vergangener Nacht platzte Jasmin. Aufgeregt schwenkte sie die heutige Zeitung
und las laut vor.
„Du Markus, in
deinem Horoskop steht – pass auf, ich lese es dir vor. Also Steinbock: Ihre
üblichen Lösungsstrategien bringen keine Verbesserung der Lage, egal wie sehr
Sie sich anstrengen. Versuchen Sie doch einmal, von Ihrem gewohnten Vorgehen
abzulassen und beschreiten Sie neue Wege! Gerade in so ausweglosen Situationen
könnte das die entscheidende Wende bringen! - Was sagt dir das?“
Erwartungsvoll
strahlte Jasmin Markus ins Gesicht.
Wut, Zorn oder
Ärger – Markus war sich nicht sicher, welche Emotion im Moment den Ringkampf
gegen die anderen gewinnen würde. Daher entschied er sich, nachdem er den Espresso
hastig ausgetrunken und die erste Moderation versäumt hatte, für einen Rückzug.
Mit einem knappen „Bis später!“ schlich er sich einfach in Richtung Sender.
Jasmin verzog sich eingeschnappt.
Horoskop! So ein ausgemachter
Schwachsinn, und er war dumm genug, da auch noch hinzuhören! Neue Wege
beschreiten? Bei dieser Chaostruppe? Sicher nicht. Markus entschied sich am Weg
zum Sender, schon aus einer Jetzt-erst-recht-Haltung heraus, eindeutig dafür,
seine alten Wege beizubehalten und sogar noch zu verschärfen.
Entschuldigung. Sie
lagen in ihrer Zielgruppe bei einem Marktanteil von dreiundzwanzig Prozent und
der staatliche Mitbewerber bei zweiundvierzig. Das war Grund genug. Für alles. Und
schließlich hatte ihn der Sender genau deshalb engagiert.
Mit einem bösen
Blick - aus seinen stechend-stahlblauen Augen - starrte Markus auf die anderen
Autos auf der Straße. Sauerei, diese Staus. Können die sich nicht in Luft
auflösen, wenn er es eilig hatte? Seine an sich nach unten hängenden Mundwinkel
zuckten kurz nach oben.
Zugegeben, Markus
hatte eine echt verpatzte Kindheit hinter sich. Seine ihn angeblich so liebende
und ach so verantwortungsvolle Mutter hatte ihn samt seinem Vater einfach
sitzen lassen. Auf nimmer Wiedersehen verlassen, um es noch deutlicher auszudrücken.
Was das bei einem zehnjährigen Jungen auslösen würde, darüber hatte sie
offensichtlich nicht eine Sekunde nachgedacht gehabt. Frauen waren für Markus
schon gestorben, bevor ihn sich die Pubertät vorgeknöpft hatte.
Außerdem hatte Markus
leidvoll gelernt, dass man es als »Arbeiterkind« im Leben nicht leicht hatte.
Man musste immer sehr viel besser als die anderen sein, um sich wenigstens ein
kleines Stückchen vom Erfolgskuchen abschneiden zu dürfen. Chancengleichheit?
So ein Blödsinn. Nie hatten seine Lehrer seine wahre Genialität erkannt, und
natürlich war er in der siebenten Klasse Gymnasium, ein Jahr vor der Matura,
»freiwillig« - auf dringendes Anraten seines Klassenvorstandes - ausgeschieden.
Was zur Folge
hatte, dass sämtliche Fragebögen, die irgendetwas in Richtung »höchste,
abgeschlossene Ausbildung« von Markus wissen wollten, unweigerlich den Tod im
Mistkübel fanden. Zerfetzt, zerstückelt, mit dem Brieföffner erdolcht.
Frechheit! Da trampelten wildfremde Menschen auch noch auf seiner
Maturalosigkeit herum. Nicht mit ihm!
Doch dieses
ständig an seinem Selbstbewusstsein nagende Gefühl der Minderwertigkeit war
immer schlimmer geworden, je weiter er sich mit Fleiß, Disziplin(...)
Rezension folgt...
Die
Autorin
Sabine
(Lengyel-)Sigl stammt aus Österreich und arbeitet selbstständig als Arbeits-,
Wirtschafts- und Organisationspsychologin und Autorin. Die tägliche Arbeit mit
Menschen hat 2012 zur Veröffentlichung ihres ersten Sachbuchs "Corporate
Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit." geführt. In diesem Buch
geht es um das Verstehen der Kultur von Organisationen sowie um das Konzept
einer Corporate Awareness und den Umgang mit Werten und Emotionen im
Arbeitsleben. Daraus entwickelte sich schließlich die Idee zum Roman "Diva
Liebe. Unerwartet eins.". Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren
Sie auf www.sabinesigl.com und www.resipsychology.com oder auf Facebook
("Diva Liebe", "Corporate Awareness").
Sabine Sigl, Diva
Liebe. Unerwartet eins.






