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12. August 2015

Helga Jursch, Tango im Dreivierteltakt



Paul Pfeifle hasst nichts mehr als Reisen, aber ausgerechnet seine Frau muss mit einem Argentinier nach Südamerika entfliehen. Er ist wild entschlossen, sie zurückzuholen. Dazu wendet er sich an den Fotografen Rudi, der sich in der Welt auskennt und eigentlich lieber Bilder machen als eine unbekannte Frau jagen möchte. Kann die Suche nach der Frau unter diesen Voraussetzungen überhaupt erfolgreich sein? Zumal gleich zu Anfang einige Missgeschicke das Gelingen des Unternehmens in Frage stellen. Aber Paul gibt nicht auf, obwohl er sich die bange Frage stellt, ob seine Frau überhaupt bereit ist, zu ihm zurückzukehren.
In einer rasanten Erzählung voller irrwitziger Ideen stolpern die zwei Helden von einem Abenteuer ins nächste. 
Ein Lesegenuss, der die Lachmuskeln strapaziert.

Eine witzige, spritzige Roadnovel durch Südamerika, gespickt mit vielen verrückten Abenteuern, gewürzt mit sehnsuchtsvoller Liebe und einer Prise Erotik.

Leseprobe:

(...) Als Frau Häberle Herrn Roderich Meyer ins Büro bat, ging es Paul Pfeifle alles andere als gut. Zwar liefen die Geschäfte der schwäbischen Oberremser Präzisionsbohrer prächtig, aber Pfeifles Frau Merle war mit dem argentinischen Praktikanten verschwunden, was ihr Mann nicht verwinden konnte. Meyer trat ins Büro und hatte den Eindruck, als habe Pfeifle gerade geweint. Seine Augen waren rot, seine sonst so gepflegten Haare strähnig und das Hemd hing halb aus der Anzughose heraus. Er seufzte tief. „Herr Meyer, ich habe ein Problem.“ Er klopfte mit einem Kugelschreiber unablässig auf die Schreibtischunterlage.
Meyer schaute sich das Desaster betreten an. „Was ... was ist mit den Bildern schiefgelaufen?“
Pfeifle seufzte tief und ließ sich auf seinen Chefsessel plumpsen.
„Nichts. Mit den Bildern ist alles in Ordnung.“
Meyer atmete auf. Als ständig abgebrannter, freiberuflicher Fotograf war er dringend auf die Einnahmen für den Pfeifleschen Katalog angewiesen. Aber was sollte Pfeifle von ihm wollen? Fragend blickte er ihn an.
„Herr Meyer, Sie ... Sie kennen sich doch in der Welt aus?“
„Einigermaßen. Warum?“
„Sie können doch Spanisch, oder?“
„Ja.“
„Herr Meyer, Sie müssen mir versprechen, dass Sie mit niemandem ...“, dann machte er eine wegwerfende Handbewegung. „Ach, egal! Also, meine Frau ist durchgebrannt. Mit diesem blöden Argentinier aus der Exportabteilung.“
„Das tut mir leid“, sagte Meyer, obwohl es ihm kein bisschen leid tat.
„Ja. Danke. Und jetzt sind die zwei in Buenos Aires.“
„Verstehe. Soll ich mit Herrn Molina telefonieren?“
„Nein. Ich will meiner Frau hinterherfliegen. Aber ich hasse reisen. Ich war ja noch nie so richtig im Ausland. Ich will, dass Sie mich begleiten.“
„Aber ich muss den Katalog doch noch fertig machen.“
„Die paar Tage sind egal.“
„Aber ich muss mich um einen Folgeauftrag kümmern.“
„Meyer, Sie müssen mir helfen!” Wie Pfeifle mit seinen verweinten Augen eine theatralische Geste machte, musste Meyer sich sehr zurückhalten, um nicht zu lachen, obwohl ihm klar war, dass die Situation hochdramatisch war. „Ich zahle auch alles. Reisekosten, Verdienstausfall, das soll Sie alles nicht kümmern.“
„Und wenn wir Ihre Frau nicht finden?“
Wie vom Donner gerührt erstarrte Pfeifle. Daran hatte er überhaupt nicht gedacht. „Glauben Sie nicht, dass wir sie finden?“
„Nun, ich halte die Wahrscheinlichkeit für nicht allzu groß.“
„Scheiße!“ Pfleifle schlug auf den Schreibtisch. Dann atmete er tief ein und straffte seinen Oberkörper. „Egal, wir fahren! Frau Häberle hat schon Flüge gesucht und die Mädchen sind ohnehin bei meinen Schwiegereltern. Kennen Sie vielleicht ein gescheites Hotel?“
Meyer staunte über die Zielstrebigkeit seines Auftraggebers. „Nein, Hotel kenne ich keins. Wenn ich in Buenos Aires bin, gehe ich zu meiner Freundin Juana.“
„Gut! Sagen Sie ihr, dass wir kommen. Vielleicht kann sie uns ja am Flughafen abholen.“
Meyer blieb mit offenem Mund stehen. Pfleifle hatte seinen Laden voll im Griff und duldete allgemein keinen Widerspruch, und dass er jetzt ungefragt über seinen Freundeskreis verfügte, gefiel Meyer gar nicht. „Herr Pfeifle, ich habe noch keine Zusage gegeben, und ob ich meine Freundschaften einspannen will, weiß ich auch noch nicht.“
„Also gut: Ich übernehme alle Unkosten und zahle Ihnen ein gutes Honorar. Sie helfen mir im Gegenzug, meine Frau zu finden und sind sich für nichts zu schade.“ Er stand auf und streckte Meyer die Hand entgegen.
Meyer fuchtelte mit seiner Hand zögerlich herum. „Wieviel zahlen Sie?“
„Soviel wie Sie fürs Fotografieren bekommen.“
„Pro Stunde?“
„Pro Stunde, solange Sie sich um mich kümmern.“
Meyer pfiff leise und schlug dann kraftvoll ein.

Zwei Stunden später fuhr Frau Häberle sie zum Flughafen. Pfeifle rutschte unbehaglich auf dem Sitz hin und her.
„Ist was, Herr Pfeifle?“, wollte Meyer wissen.
Pfeifle schüttelte den Kopf.
„Der Herr Pfeifle fliegt nicht gern“, warf Frau Häberle ein.
„Oh!“, meinte Meyer. „Bei den vierzehn Stunden nonstop, die uns jetzt bevorstehen, kann ich mir vorstellen, dass es Ihnen nicht so gut geht. Wo....“ Schlagartig hielt er inne. Er wollte Pfeifle fragen, ob es wirklich eine gute Idee war, seiner Frau hinterherzureisen. Aber die Aussicht, eine Reise nach Südamerika spendiert zu bekommen, ließ ihn innehalten. Pfeifle sollte gar nicht auf die Idee kommen, umzudrehen.

„Ich glaub, ich spinn!“ Als sie in der Schlange zum Einchecken standen, wurde Pfeifle zunehmend nervöser. „Meyer, gucken Sie sich doch nur die vielen Kinder an! Der Flug wird der reinste Horror werden. Wer um alles in der Welt muss mit kleinen Kindern so weit wegfliegen?“ Pfeifle fingerte ein Papiertaschentuch aus der Packung und wischte sich den Schweiß ab. Obwohl er es allen vor der Abfahrt eingeschärft hatte, schrieb er den Kindern, den Großeltern, den Freunden und den Mitarbeitern nochmals eine Nachricht, dass sie unter keinen Umständen Merle verraten dürften, dass er hinter ihr her wäre. Auf ihre Fragen sollten sie sagen, dass er auf Geschäftsreise wäre.
Sie bestiegen das Flugzeug. Zu allem Überfluss teilten die beiden sogar eine Sitzreihe mit einem Kind. Eine Mutter saß mit zwei Kindern in der Reihe hinter ihnen und platzierte ihr drittes Kind auf dem Gangplatz in der Reihe vor sich. Diesen Platz hatte Pfeifle sich zwar gesichert, aber Meyer bewog ihn dazu, ihn zugunsten des Kindes aufzugeben. Sonst würde das Kind die ganze Zeit über ihn klettern. Pfeifle leistete keinen Widerstand und man sah ihm an, dass es ihm schlecht ging. Während Pfeifle jedes Mal, wenn die Stewardess vorbeikam, ein alkoholisches Getränk bestellte und Meyer rappelig wurde, weil er so lange auf seine geliebten Zigaretten verzichten musste, benahmen sich die Kinder absolut vorbildlich.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Merle Buenos Aires schon verlassen. Eigentlich hatte sie keinen Grund gehabt, mit ihrem Leben unzufrieden zu sein. Ihre beiden Töchter waren gut geraten, Haus, Garten und Autos waren schön, ihr Mann war treu und zuverlässig. Seit die Kinder größer waren, machte sie in der Firma ihres Mannes die Buchhaltung. Und trotzdem war sie nun in einem Himmelfahrtskommando nach Argentinien aufgebrochen, mit einem Mann, halb so alt wie sie. Sie versuchte selber zu verstehen, wie ihr das passieren konnte. Hin und wieder überkam sie eine unbestimmte Sehnsucht. War es das Gefühl, am Ende der Fahnenstange zu sein? Angst vorm Alter? Die Ahnung, dass ihr Leben ewig so weitergehen würde? Niemand verstand sie, am allerwenigsten sie sich selber. Alle fanden zu Recht, sie solle für das dankbar sein, was sie habe. Ganz besonders Paul, ihr Mann, der mit seinem Leben sehr zufrieden war. Ihn schreckte die Aussicht nicht, bis an sein Lebensende so weiterzumachen. Im Gegenteil. Er fand das richtig gut. Nur keine Aufregung, alles ordentlich in geregelten Bahnen. Wenn er wenigstens im Urlaub ein wenig ausbrechen würde! Immer ging’s mit dem Auto nach Tirol, weil Paul das Fliegen hasste. (...)



Die Autorin:
Helga Jursch wurde 1960 in Hamburg geboren und lebte schon als Kind im Ausland. Dies führte zu einem bislang unstillbaren Drang in die Ferne, der in regelmäßigen Abständen ausbricht. Wenn sie nicht auf Reisen ist, lebt sie mit ihrer Familie und einer Katze in der Nähe von Stuttgart.


Helga Jursch, Tango im Dreivierteltakt

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22. Juli 2015

Pat Langdon, Lord of Light – Teil 1: The Beginning





Nachdem Jenny Alvarez aus ihrem Elternhaus geflüchtet ist, trifft sie auf Drago, einen Außerirdischen, der mit weiteren Gefährten in einer unterirdischen Anlage in der Sonora Wüste/USA lebt.

2088 schlagen große Teile des erdumkreisenden Planetoiden ‘Apophis’ auf der Erde ein und verändern ihr Angesicht. Als sich die lebensrettenden Bunker 2100 wieder öffnen, beginnt für Jenny auf der Suche nach ihrer eigenen Identität eine Reise ins Ungewisse...




Leseprobe

1947 beherrschten Schlagzeilen aus den Vereinigten Staaten von Amerika die Weltpresse: „UFO über Roswell/New Mexiko abgestürzt!“
Bei vielen Menschen in aller Welt löste diese Meldung Begeisterung und die wildesten Spekulationen aus. Gab es endlich einen Beweis, dass wir nicht allein im Universum waren?
Während die Menschen diskutierten, beschäftigten US-Soldaten sich emsig damit, sämtliche Beweisstücke zum Luftwaffenstützpunkt Nelles zu bringen. Nelles, irgendwo in der Wüste Nevadas, fernab und ungestört jedweder Zivilisation gelegen, ist besser bekannt als ‚Area 51‘.
Gerüchten zufolge hatten die Einsatzkräfte nicht nur Wrackteile zur Area 51 gebracht. Es hieß, dass sie ebenso mehrere Leichen und einen Überlebenden fanden, der später seinen Verletzungen erlag. Tage später dementierte die US-Regierung den Absturz und versuchte die Menschen davon zu überzeugen, dass es sich um die Überreste eines Wetterballons gehandelt habe. Sie erklärte die Vorkommnisse in Roswell zu einer Angelegenheit der Nationalen Sicherheit und warf den Mantel des Schweigens über die Ereignisse.
Diese Begebenheit fand, wie alle anderen, die die nationale Sicherheit betrafen, ihren Eintrag in das ‚Blue Book‘. Jenes geheime Buch, das dem jeweiligen Präsidenten zugänglich, und ausschließlich seinen Augen vorbehalten blieb.
Die Gerüchteküche verstummte nie. Das Weltgeschehen in den 1960er-Jahren sorgte jedoch dafür, dass die Menschen Roswell vergaßen und ihre Augen sorgenvoll auf Kuba richteten.
In den Wirren und Ängsten jener Zeit gefangen, entging der Weltbevölkerung, dass nicht jeder Meteorit, der am nächtlichen Abendhimmel einen wunderschönen Hitzeschweif hinter sich herzog, tatsächlich einer war.
Die meisten dieser vermeintlichen Abstürze blieben unentdeckt. Die Überlebenden vereinigten sich auf dem Staatsgebiet der USA.

***

Von alldem ahnte die sechzehnjährige Jenny Alvarez nichts, als sie im Sommer 1980 nicht einschlafen konnte. Auf dem Bett in ihrem kleinen, karg und lieblos eingerichteten Zimmer wälzte die Jugendliche sich hin und her. Das zierliche Mädchen mit langen blonden Haaren und blaugrauen Augen unterdrückte die Tränen. Obwohl noch jung an Jahren, kannte sie in ihrem Leben bereits die grausame Bedeutung von physischer und psychischer Gewalt. Der Hunger hielt sie wach. Ihr Rücken schmerzte von den Prügeln, die sie Stunden zuvor grundlos bezogen hatte. Seit ewiger Zeit schon ließ sie niemanden mehr an sich heran, blieb introvertiert und drohte an ihrem Schicksal zu zerbrechen.
Nirgendwo gab es einen Ort, an dem sie sich geborgen fühlte. In der Schule war das schmächtige Kind ein Außenseiter, der nie mitreden konnte, wenn es um Teenie-Angelegenheiten ging. Wurden im Sportunterricht Teams gewählt, rief man ihren Namen zu allerletzt, weil sie übrig blieb. Keiner wollte jemanden im Team, der gehandicapt war und nicht schneller lief als ein Achtzigjähriger. Jenny hatte keine Freunde. Selbst wenn es welche gegeben hätte, niemals wäre ihr erlaubt worden, sie nach Hause mitzubringen.
Wenn sie aus der Schule kam, war es ihre Pflicht, den nicht enden wollenden Kampf gegen die ewig nachrückenden Heere von Staubwollmäusen, aufzunehmen. Zu kochen, aufzuräumen und all die Dinge zu tun, die Teenager nicht mögen. Sie lebte allein mit ihrem Vater im Süden von Richfield im Bundesstaat Utah. Ein kleines verschlafenes Nest mit 6789 Einwohnern, das man auf dem Weg von Los Angeles nach Denver fand. Das schon baufällige und stark heruntergekommene Holzhäuschen lag abgeschieden weit abseits des Ortes. Jenny konnte nie mit anderen Menschen reden oder irgendwem anvertrauen. Dieser Umstand ließ ihr keine andere Wahl, als in diesem ungeliebten, kalten Zimmer, dessen Wände kein einziges Bild schmückte, zu verweilen und ihr trostloses Dasein zu fristen.
Wenn er nur nicht immer so ausrasten würde, wenn er getrunken hatte …, dachte sie.
Sie kam all ihren Pflichten nach, doch die Welt, in der sie lebte, hatte sie früh gelehrt, dass Gefühle zeigen sie angreifbar und verwundbar sein ließ. Deshalb hatte sie sich angewöhnt, ihre Empfindungen nicht mehr nach außen dringen zu lassen. In sich gekehrt, nagte die Einsamkeit unablässig an ihr. Ich wünschte, ich wäre an einem anderen Ort und müsste nie zurückkehren, dachte Jenny zum gefühlten tausendsten Mal. Genauso oft trug sie sich mit dem Gedanken einfach abzuhauen. Diesen grausamen Mann, der sich Vater nannte, - der jedoch kaum mehr war, als der von ihr abgrundtief verhasste Erzeuger -, hinter sich zu lassen und zu vergessen. Doch wohin sollte sie? Ohne Geld kam sie nicht weit, das wusste sie. Auch wenn Jenny stark daran zweifelte, dass dieser Mensch sie vermissen oder nach ihr suchen würde. Traurig schloss sie ihre Augen und versuchte etwas Ruhe zu finden.
Plötzlich spürte Jenny, dass etwas anders war als sonst. Ganz vorsichtig, minimal blinzelnd, öffnete sie ihre Augen, um sie sofort wieder aufeinander zu pressen. Ihr Herzschlag verdreifachte sich und ihre Kehle vertrocknete schlagartig. Das muss ein Traum sein! Das gibt es ganz sicher nicht!, zweifelte sie. Jenny gehörte nicht gerade zu den mutigsten Menschen und hätte man sie gefragt, so hätte sie wohl geantwortet: „Mein Selbstbewusstsein füllt einen Eierbecher und mein Wissen über die Welt passt auf das obere Drittel einer Briefmarkenrückseite.“ Ängstlich öffnete sie erneut ihre Augen und stellte fest, dass sie sich an einem Eingang befand. Zurückhaltend und verwirrt stand Jenny dort und wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Ihre Beine zitterten leicht. Die Arme verkrampft um ihren Oberkörper geschlungen, ganz so, als könne sie sich selbst festhalten, hörte sie das Rauschen ihres Blutes, das ihr Herz jetzt zehnmal schneller durch den Körper schießen ließ, als es üblich war. Wie gelähmt, wagte sie es kaum zu atmen. Jenny schoss kurz die Augen. Ganz ruhig, sagte sie sich. Ist es nicht das, was du dir immer gewünscht hast? Du wolltest doch von Zuhause fort, dann trau dich jetzt auch. Los! Letztendlich siegte die Neugier über ihre Angst und sie begann, bewusst ihren Blick wandern zu lassen.
Das Mädchen befand sich in einem Raum, dessen Wände ein hellblau leuchtendes Licht abgaben und es schien ihr, als pulsiere sie. Nach oben hin schlug der Raum einen hohen Bogen, ähnlich eines Brückenbogens. Möbel, wie Jenny sie kannte, gab es keine. Die absolute Stille empfand Jenny als unheimlich. Sie spürte, wie sich ihr Magen krampfhaft zusammenzog und sich ihre Härchen an den Armen aufbäumten. Zögerlich ging sie auf die vor ihr befindliche Wand zu, deren Pulsieren sie magisch anzog. Vorsichtig legte sie eine Hand an die Wand. Zu ihrem Erstaunen fühlte sie sich warm und weich an. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als diese wohlige Wärme sich auf sie übertrug.
„Hallo Jenny“, vernahm sie eine sanft und ruhig klingende Stimme.
Erschrocken wirbelte Jenny herum.
„Wer sind Sie und wo bin ich?“
„Ich bin Maél und du befindest dich an einem sicheren Ort“, sprach der Fremde mit ruhiger, freundlich weicher Stimme.
Misstrauisch beäugte Jenny Maél. Er sah so anders aus. Maél war 1,97 m groß, besaß keine Haare und dort wo die Ohrmuscheln hätten sein sollen, befand sich lediglich ein Loch von der Größe eines 1-Cent-Stückes. Sein Körper schimmerte durch ein langes, bis zum Boden reichendes Gewand leicht bläulich-gelb. Diese imposante Erscheinung schüchterte Jenny derart ein, dass sie es nicht wagte, nach dem ‚Wer und Wie‘ zu fragen.
„Es besteht kein Grund zur Furcht Jenny.“
Sprachlos stand Jenny eine ganze Weile wie angewurzelt da und starrte Maél an. Sie holte tief Luft und überwand ihre Starre. „Wer sind Sie und wie komme ich hierher?“
„Du bist hier, weil du mich gerufen hast. Was deine zweite Frage nach dem Wie betrifft: Weißt du, was Teleportation ist?"
„Nein, keine Ahnung." Jenny schüttelte mit dem Kopf. "Ich soll Sie gerufen haben? Ich kenne Sie doch gar nicht! Dann ist es also kein Traum?“ Jennys Stimme überschlug sich fast.
„Doch Jenny, wir kennen uns, - du hast es nur vergessen. Ich versichere dir: Es ist kein Traum.“
„Aber woher?“, fragte Jenny nachbohrend.
„Es ist nicht an der Zeit, diese Frage zu beantworten und es bedarf der förmlichen Anrede nicht. Du solltest dich setzen.“
Jenny setzte sich mit großem Abstand zu Maél in eine Art Sessel, der sich ihrem Körper anpasste.
„Es ist mir nicht erlaubt, dir genau zu erklären, wer ich bin, wer du bist und wohin dich dein Weg noch führen wird. All diese Dinge wirst du selbst auf deinem soeben erst begonnenen Weg, deiner noch sehr langen Reise herausfinden müssen.“
„Wenn Sie mir nichts sagen dürfen, warum bin ich dann hier?“, fragte Jenny eher missmutig.
„Weil es für den Augenblick wichtiger ist, dir etwas zurückzugeben, dass du verloren hast. Hoffnung!“
„Hoffnung? – Hoffnung ist was für Träumer“, erklärte Jenny verächtlich und unterstützte ihre Worte durch eine abwertende Handbewegung. „Zum Träumen hab ich keine Zeit! Ich möchte viel lieber wach werden aus diesem Albtraum, aber nicht mal das gelingt mir! Aber was wissen Sie schon davon.“
„Niemandem sollte widerfahren, was dir widerfährt und dieses Leben, das du derzeit gezwungen bist zu leben, war niemals für dich vorgesehen. Umso wichtiger ist es nun für dich, deine Stärken zu entdecken, damit du dich aus deiner Zwangslage befreien kannst.“
Obwohl Maél ruhig mit ihr sprach, beobachtete Jenny ihn misstrauisch. Er hat eine wirklich merkwürdige Art sich auszudrücken, dachte sie.
„Ach, und wie soll ich das anstellen? Ohne Geld kommt man in meiner Welt nicht weit, – und wo sollte ich schon hin? Was heißt, es war nicht für mich vorgesehen? Was kann ich schon ausrichten gegen einen Erwachsenen, der viel stärker ist als ich?“
„Im Augenblick kannst du sicherlich nichts gegen deine Peiniger tun, doch ich versichere dir, dass du einen Weg finden wirst, dir dieses Zahlungsmittel zu besorgen. Wenn du in seinen Besitz gelangt bist, wirst du fortgehen. Du bist etwas ganz Besonderes, dessen musst du dir bewusst werden. Die Kraft, die du brauchst, sie liegt in dir. Wohin du gehen wirst? Nun, für den Moment bist du bei mir. Doch ich will dir einen kleinen Ausblick auf einen Ort gewähren, an dem du einmal sein wirst.“
Maél bewegte seinen linken Arm in einem hohen Bogen von unten rechts nach links. Wenige Augenblicke später erschien ein holografisch dargestelltes Planetensystem.
„Kennst du es?“, wollte Maél wissen.
„Das ist der Andromedanebel.“
„Richtig! Innerhalb dieses Nebels gibt es einen Planeten Namens Sodion. Dort wirst du einmal in noch fernerer Zukunft sein.“
Jenny zog die Augenbrauen hoch und kräuselte die Stirn. „Mhm, das soll ich glauben? Das meinen Sie doch nicht ernst?“
Doch Maéls Schweigen zeigte Jenny, dass er meinte, was er gesagt hatte.
„Sie werfen für mich mehr Fragen auf, als Sie mir beantworten. Bis die Menschen in der Lage sind, dahin zu fliegen, bin ich längst auf einer ganz anderen Art im Universum. Wenn Sie ein Kind hätten und ihm von einer solchen Reise erzählen würden, würden Sie ernsthaft erwarten, dass es Ihnen glaubt?“
Maél schmunzelte leicht.
„Ich erinnere nicht, gesagt zu haben, mit wem oder wie du dorthin gelangst. Mein Sohn Lísan würde es mir ohne jeden Zweifel glauben, denn er kennt diese Welten bereits.“
Jetzt schmunzelte Jenny. Er hat also einen Sohn namens Lísan, ging es ihr durch den Kopf.
„Ist Ihre Welt so wie meine?“, wollte Jenny wissen.
„Jetzt beginnst du, den dir vorbestimmten Weg zu gehen. Es ist wichtig, dass du die Dinge in einem größeren Zusammenhang siehst. Lerne und beginne zu verstehen. Die Erde ist nur ein winziger Teil des Gesamten und sie ähnelt nicht im Geringsten meiner Welt. Meine Welt ist friedlich. Niemals zieht einer von uns auch nur es in Betracht, einem anderen Gewalt anzutun oder ihn aus unserer Gemeinschaft derart auszuschließen. Wir fühlen uns mit unserer Welt verbunden, die in violettes Licht getaucht ist und die für uns sorgt. Wir sorgen füreinander und wir sind miteinander verbunden. So wie du und ich es jetzt sind. Ich werde dich entführen in unsere Welten, dir zeigen, dass es mehr gibt, als nur die bloße Existenz.“
Ungläubig lauschte Jenny seinen Worten. Sie hibbelte dabei auf ihrem Sitz herum und wusste nicht wohin mit ihren Händen. Gleich werde ich wach und alles war nur ein Traum! Das ist einfach zu schön, um wahr zu sein!, dachte Jenny zweifelnd. Doch dem war nicht so. Unbeirrt begann Maél mit seinen Erzählungen und Jenny wagte es nicht, ihn zu unterbrechen.
Während Maél ihr von Dingen erzählte, von denen sie noch nie zuvor gehört hatte und die sie in Erstaunen versetzten, wurde Jenny ruhiger. Mit verstreichender Zeit sorgte der gleichmäßige Klang seiner Stimme dafür, dass Maél Jenny vertrauter erschien und sie sich sogar bei ihm geborgen fühlen konnte.
Aufmerksam hörte sie zu. Kein Wort sollte ihr entgehen, während Maél ihr von einer friedlichen Welt erzählte, die es irgendwo in den Weiten des Universums gab. Er vermied es Namen und Daten zu nennen. Jenny versank in der aus Worten gezeichneten Bilderflut einer ihr fremden Welt.
Maél vermied es, weitere persönliche Informationen preiszugeben. Doch er erzählte Jenny von einem, der kommen und sie auf den ihr vorbestimmten Weg zurückführen würde.
„Es ist wichtig, dass du diese Dinge nicht vergisst! Dein Leben wird sich an einem ganz bestimmten Tag grundlegend ändern. Du musst durchhalten, um jeden Preis! Niemals darfst du vergessen: Warte auf jenen, der eins sein wird mit dir. Er wird kommen! Du musst auf ihn warten, gleich, wie lange es dauert!“, mahnte Maél eindringlich.
„Woher soll ich wissen, welcher Tag es ist? Können Sie mir nicht wenigstens sagen, wie er heißt und wer es ist?“
„Ich sagte doch: Es ist mir nicht erlaubt, dir mehr zu sagen. Du wirst ihn erkennen. Er wird dich finden. Lerne zu vertrauen Jenny.“
„Irgendwie finde ich das alles äußerst merkwürdig, Maél. Sie können in die Zukunft sehen und sie mir zeigen, aber Sie dürfen mir keine Namen nennen?“
Maél schwieg.
„Ich kann wirklich nicht hierbleiben?“, fragte Jenny traurig, fast flehend und begann zu schlucken. Fürchtete sie doch den Verlust Maéls und die Rückkehr in ihren Kerker der Einsamkeit.
Maél lächelte sie an, nahm ihre Hand, streichelte sie sanft und Jenny spürte eine wohlige Wärme auf sich übergehen.
„Dein Weg hat gerade erst begonnen. Dies ist noch kein Ort, an dem du auf Dauer verweilen darfst!“
„Dann werden wir uns niemals wiedersehen?“ Jenny schluckte erneut und war den Tränen nahe.
„Doch das werden wir, vertraue darauf!“
Maél besuchte Jenny wie versprochen regelmäßig, was nichts daran änderte, dass ihr Leben ein Albtraum blieb. Ihr Vertrauen zu ihm wuchs und manches Mal schlief sie in seiner Obhut ein. Während ihrer Treffen lernte Jenny viel von Maél.(...)


Die Autorin

Pat Langdon wurde 1964 in Bochum geboren und arbeitete später bei den Essener Justizbehörden. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Justizdienst lebt sie heute mit ihrem Hund Joey im beschaulichen Städtchen Siegburg. Die Autorin ist Mitglied im Bundesverband junger Autoren (BVjA) und schreibt für das Magazin „Qwertz“ Artikel.

Lord of Light Teil 1: The Beginning, erschienen im Brokatbook Verlag, ist ihr Debütroman. Ihr ist es wichtig, den Leser gut zu unterhalten und zugleich Werte zu vermitteln, ohne belehren zu wollen.


Pat Langdon, Lord of Light – Teil 1: The Beginning

Zu bestellen als eBook im Brokatbook Verlag:
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14. Juli 2015

Eddy Zack, Ebola



Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas.
Drei Menschen treffen in einem Urwaldkrankenhaus aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können.
Lars Petersen will illegal geschürfte Diamanten kaufen. Dr. Eduard Dupré kam vor vielen Jahren als Missionar und Arzt an den Kongo. Jetzt ist er nur noch Arzt, seinen Glauben hat er längst verloren. Und da ist seine viel zu junge Frau Zola, trotz ihres afrikanischen Vornamens gebürtige Belgierin.
Das Krankenhaus liegt am Ebola, ein Seitenfluss des Kongo, der vor vielen Jahren der Ebola-Seuche den Namen gab. Eduard Dupré hat nicht nur mit Tropenkrankheiten zu kämpfen, sondern mit ausbleibenden Lieferungen der Hilfsorganisationen, gepanschten und längst verfallenen Medikamenten. Zur bitteren Erkenntnis, vielen Patienten nicht helfen zu können, kommen noch marodierende Regierungstruppen, Rebellen und Sklavenjägern aus dem Sudan.
Da bricht erneut die Ebola-Seuche aus.


Rezension

Ebola? Oh Himmel!
Allein der Titel flößte mir Angst ein, habe ich doch vor Kurzem Opfer dieser perfiden Krankheit in einer Zeitschrift betrachten können. Ich näherte mich also zögerlich dem Buch an.

Gnadenlos
und offensichtlich mit profundem Wissen, was in der Wiege der Menschheit, dem wunderschönen Afrika heutzutage so vorgeht: Ein großartiger Kontinent, vielfältig, reich an Naturschätzen, Schönheit, Menschen, die faszinierend sind, Fauna und Flora, gern im TV gesehen: Systematisch ruiniert. Zuerst von außen, dann innerhalb. Einer schlachtet den anderen ab, der Bodenschätze wegen. HIV und Ebola kommen dazu. Es ist tragisch, anders lässt sich das nicht sagen.

Und der Autor weiß darum, beschreibt äußerst spannend die Geschehen
um den illegalen Handel mit Rohdiamanten, von Rebellen, den Seuchen, wie es zugeht in einem Buschlazarett, die Hilflosigkeit der Medizin, der Helfer. Die Hauptfigur, Lars, ist kein Held, aber er lernt zu begreifen. Der Arzt Eduard Dupre, die schwarzen Schwestern sind viel mehr Helden, auch wenn ihr Kampf hoffnungslos ist. Eduard ist für mich der wahre Held, auch wenn er scheitert.

Insgesamt stark geschrieben, das Buch hat mich nicht losgelassen, Respekt, Herr Detlev Crusius aka Eddy Zack! Große Empfehlung!

Elsa Rieger


Der Autor




Detlev Crusius, alias Eddy Zack, muss sich für seine Romane nur wenig ausdenken. Er hat viele Jahre im Nahen Osten, in Libyen und in Russland gearbeitet. Als Matrose der Handelsmarine bereiste er als gerade mal 16-jähriger die Küsten Afrikas bis hinunter zum Kap der Guten Hoffnung, das Innere des Kontinentes im Jeep, auf dem Kamel und zu Fuß. In Mittelamerika blieb er hängen und lebte dort einige Zeit. Er kennt die Tricks der Waffenhändler, der Treuhänder in Zürich und die der Banken, denn er gehörte einmal dazu. Die Methoden der Schlapphüte des KGB und ihrer westlichen Gegenspieler hat er schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.
Er sagt - ich schreibe aus meinem Kopf ab. Und wenn das nicht reicht, nehme ich die Köpfe meiner Freunde hinzu.
Geboren 1942 in Landsberg/Warthe (heute Gorzów Wielkopolski in Polen), aufgewachsen in Güstrow, Krefeld und auf vielen Stationen dazwischen. Detlev Crusius hat gelebt und gearbeitet in Krefeld, Köln, Frankfurt, Berlin, Hamburg, Dresden, Rom, London, Moskau, Riad, Jeddah, Tripolis, Damaskus und Zürich.
Zu seiner Biografie gehören auch vier Jahre Gefängnis wegen Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das UN-Embargo gegen Libyen. Schon deshalb sind viele seiner Bücher im Wortsinn keine Romane, sondern eher Insider-Berichte.
Er ist mit einer Russin verheiratet und lebt in Spanien.


Eddy Zack, Ebola

eBook und Taschenbuch bei Amazon