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18. August 2014

Lutz Kreutzer, Bayerisch Kongo




Der Geophysiker Friedrich Sperber landet auf unkonventionellem Weg beim bayerischen Landeskriminalamt. Sein erster Fall: der Tod eines Afrikaners, der mitten in München mit einer Machete umgebracht wurde. 
Als zwei weitere bizarre Morde im Chiemgau die Ruhe im Voralpenland stören, verdichtet sich die Spur in den Kongo. Sperber stößt bei seinen Ermittlungen auf das begehrte Hightech-Erz Coltan, auf einen mysteriösen belgischen Söldner - und auf Deutsche und Österreicher mit rabenschwarzer Vergangenheit...




Rezension

Mai-Mai bedeutet auf Lingala „Wasser-Wasser“.
Diese Gruppe von Kämpfern im Kongo stinkt bestialisch, weil sich die Männer, trotz des Namens nicht waschen, ab dem Moment, wenn sie mit Zauberwasser geweiht sind. Der Geophysiker Friedrich Sperber, der im Kongo knapp dem Tod durch eine Machete eines Kindersoldaten gekillt wurde, wird vom LKA München angeworben, um, als Kongo-Kenner bei der Aufklärung eines Ritualmordes zu helfen, den zwei Mai-Mai verübt haben. Mehr sag ich jetzt nicht.

Ich kenne München sehr gut,
Lutz Kreutzer hat das Ambiente der Stadt, die Leute, sehr gut getroffen. Sperber ist zu Beginn als Zuag’raster oft irritiert, findet sich dann aber doch rein. Der Roman ist, wie ich auch hier, wie in den anderen Büchern des Autors, festelle, vorzüglich recherchiert. Es geht um Coltan, einen Rohstoff, der für die Elektronik (Handy usw) überaus wichtig ist, um Ausbeutung, Betrug, Gewalt, Macht, einfach scheußlich, was Menschen so treiben in unserer Welt.

Ich schätze den Erzählstil Kreutzers sehr, spannungsgeladen, humorvoll, eindringlich vermittelt er auch in diesem Krimi eine Botschaft gegen Gier und Grausamkeit, ohne sie vordergründig zu betonen. Gut!
Wieder ein Werk des Autors, das ich absolut empfehlen kann!

Elsa Rieger



Der Autor
Lutz Kreutzer schreibt Thriller, Krimis und Spannungsromane. Seine E-Books waren bei amazon hoch gelistet (Platz 1 im Kindle-Shop).
Die Plots haben realen Hintergrund, die Themen gehen in die Tiefe und beruhen auf Tatsachen. Diese bringt er in Einklang mit dem Leben eines Protagonisten, der durch seine Geschichte getrieben wird. Wichtig ist ihm die verständliche und spannende Sprache.
 
Sein abenteuerlicher Berufsweg führte ihn durch viele Länder Europas. Am liebsten ist er dort, wo es gutes Essen und noch besseren Wein gibt. Daher hat er unter anderem gemeinsam mit Johann Lafer ein Kochbuch geschrieben.


Lutz Kreutzer, Bayerisch Kongo

eBook und Taschenbuch bei Amazon




17. August 2014

Marlies Zebinger, Keine Angst, es ist nur Liebe



Hamburg, den 05.08.2014 - Panikattacken und Romane – das passt nicht zusammen, oder? Die österreichische Autorin Marlies Zebinger beweist das Gegenteil. In ihrem fulminanten Debütroman „Keine Angst, es ist nur Liebe.“ erzählt sie die berührende Geschichte von Anna und einer Liebe, die alle Ängste überwindet.
Die Autorin litt lange Zeit selbst unter Angst und Panikattacken und fand nach unzähligen, erfolglosen Arztbesuchen letztendlich über das Schreiben der Geschichte von Anna zurück zu einem normalen, glücklichen Leben.
Im Buch erlebt die tollpatschige und sarkastische, aber gerade deshalb irrsinnig liebenswerte, komische und sympathische Anna Maria Elisabeth Rogner das, wovon so viele von uns träumen - sie verliebt sich in diesen einen, ganz besonderen Menschen - in Matts. Doch Anna hat Angst vor so ziemlich allem, auch vor der Liebe, und weist sie deshalb vehement von sich fort. Matts - der dennoch zu ihr steht - bittet sie daraufhin, sieben erstaunliche Angstbewältigungsaufgaben zu lösen, mit denen sich Anna auf die Suche nach sich selbst begibt - und damit auch auf die Suche nach der Liebe an sich…


Leseprobe:

Auszug aus dem Kapitel 1

Als ich den kleinen Waldweg entlang gehe, ist es still um mich herum. Zu still. Viel zu still. Stiller als still. Irgendetwas an der Stille ist merkwürdig. Was ist es bloß? Ich komme einfach nicht drauf. Für einen Moment halte ich inne, reiße mich dann aber zusammen und gehe weiter. Angst bringt nichts, sage ich mir zum sicher vierundfünfzigsten Mal. Noch dazu, wo ich doch nicht einmal weiß, wovor ich Angst habe. Und doch ist sie mächtig, diese Angst. Lässt sich nicht mehr vertreiben. Sie bleibt und wird größer und größer – wie eine große, schwarze Riesenblase. Langsam werde ich ungeduldig. Was ist es denn, das mir jetzt schon wieder Angst macht? Oder ist es wieder diese Angst vor der Angst? Mein Herz beginnt wie wild zu klopfen und mein Puls rast in einer raketenmäßigen Geschwindigkeit.
Ich gehe ein wenig schneller und ziehe den Mantel ganz zu. Da fällt es mir plötzlich auf. Endlich weiß ich, was so merkwürdig ist an der Stille. Es ist die Stille an sich, so komisch das auch klingen mag. Kein Vogel zwitschert, kein Windstoß bewegt die Blätter der Bäume, kein Tier huscht durch das schon herabgefallene Laub. Eigenartig. Wie bedrohlich doch so eine Stille sein kann. Wobei ich da kein Maßstab bin, weil für mich im Moment so ziemlich alles bedrohlich ist. Aber es sind anscheinend nicht immer nur die bewusst wahrgenommenen Dinge, die uns (im Speziellen mir) Angst machen. Manchmal sind es wohl die vom Unterbewusstsein bemerkten kleinen Veränderungen, die uns (im Speziellen mich) ängstigen – und wenn es auch nur das Fehlen vertrauter Geräusche ist. Jetzt habe ich also auch schon Angst vor zu viel Stille, stelle ich traurig fest. Wohin soll mich denn diese ständige Angst noch führen? Am Ende habe ich dann auch noch vor mir selber Angst. Soweit kommt es noch. Sarkasmus hilft manchmal, aber nicht immer. Diesmal hilft er nicht.
Wie so oft in letzter Zeit beschäftige ich mich also wieder einmal mit der Angst. Typisch.
In Gedanken versunken gehe ich weiter. Ich bin auf dem Weg zu meiner Oma, welche am Stadtrand von Graz in einem kleinen, schon etwas in die Jahre gekommenen Einfamilienhaus wohnt. Wie immer ärgere ich mich darüber, dass man dieses nur durch diesen steilen, aber vor allem nicht einsehbaren Waldweg erreichen kann, auf dem ich mich gerade befinde. Wenn einem da etwas passiert, hört einen keiner, denke ich wütend. Ich bleibe stehen und schreie drei Mal so laut ich kann. Nur um zu überprüfen, ob etwas passiert und mir jemand zu Hilfe eilen würde natürlich. Das mache ich manchmal, obwohl ich die Antwort ja bereits kenne und weiß, dass die Schreierei völlig sinnlos ist. Aber es schadet schließlich nicht, für den Ernstfall zu proben. Immerhin weiß ich im Falle des Falls dann, dass Schreien einmal rein gar nichts bringt. Schnell überprüfe ich noch meinen Handyempfang, der zumindest im Ansatz vorhanden ist. Dann gebe ich einen Seufzer der Schockiertheit von mir und verfluche ein weiteres Mal den engen Waldweg im Nirgendwo, der ausgerechnet zum Haus meiner Oma führen muss.
Meine Oma ist bereits siebenundneunzig und freut sich über jeden Besuch. Sie hat zwar eine Pflegerin, die sich zwei Mal täglich um sie kümmert, wirkt auf mich aber trotzdem sehr oft einsam. Ob das so ist, wenn man alt wird? Wird man da automatisch auch ein bisschen einsam? Mag wohl sein. Wenn man siebenundneunzig Jahre alt werden darf, ist das nicht nur ein großes Geschenk – man sollte dabei nicht vergessen, von wie vielen Menschen meine Oma bereits hat Abschied nehmen müssen auf ihrem langen Lebensweg. Darunter Menschen, die sie sehr geliebt hat. Diese ganzen vergossenen Tränen lassen einen bestimmt ein Stück weit einsam werden.
Ich schüttle mich. Schon wieder bekomme ich Angst. Aber wovor? Vor der Ungewissheit? Vor der Einsamkeit? Dem Leben? Vor dem Tod? So vieles macht mir im Moment Angst. Dieses beklemmende Gefühl ist mir nur allzu vertraut. Herzklopfen und Enge in der Brust sind nahezu ein Dauerzustand. Die Angst ist richtig heimtückisch. Sie kommt ohne Vorwarnung und bleibt dann viel zu lange mein ungebetener Gast. In meiner Verzweiflung habe ich mir versucht anzugewöhnen, die Angst mittlerweile als eine Art Freundin zu sehen. Das heißt, genaugenommen zwinge ich mich meistens dazu, sie als solche zu sehen, denn viel lieber nenne ich sie „Erzfeindin Angst“ oder „verfluchte Angst“ oder auch „verhasste Angst“. Aber meine Therapeutin meint, dass wenn man die Angst als beste Freundin hat, sie einem dann nichts mehr tun kann. Sie ist der festen Überzeugung, dass es besser ist, meine ständige Begleiterin zu akzeptieren, als sie zu bekämpfen. Also gut: „Hallo, liebe Angst!“
Da ist schon etwas dran an ihrer Theorie, gestehe ich mir ein. Alles, wogegen man sich wehrt, bekommt schließlich eine irrsinnige Macht, eine Größe und eine Wichtigkeit, welche alles nur noch schlimmer machen. Nimmt man hingegen etwas Unangenehmes an und wehrt sich nicht dagegen, hält man es klein und unbedeutend, und wenn man es in Ruhe lässt, wird es irgendwann auch wieder ganz von alleine gehen. Das meint zumindest wieder meine Therapeutin Frau Dr. Hinterleitner. Ich selbst bin da nicht so überzeugt, ehrlich gesagt. Überhaupt nicht überzeugt, um genau zu sein!
So in meine Gedanken versunken gehe ich weiter und nehme meine Angst an der Hand. Jawohl! Wenn, dann aber richtig! Frau Dr. Hinterleitner wäre sehr stolz auf mich!
Dann, endlich, erreiche ich das kleine, rote Backsteinhaus mit den vielen kleinen Fenstern und dem grünen Holzbalkon. Ich mag das Haus. Vor allem im Sommer sieht es so einladend aus mit den wunderschönen, üppigen Blumen im Garten und an jedem der Fenster. Man fühlt sich sofort wohl, wenn man da ist. Meine Oma liebt alles, was blüht, und die Blumen lieben sie. Das heißt – jetzt im November ist natürlich alles trostlos und kahl, aber wenn es draußen warm ist, wachsen und gedeihen die Blumen und Sträucher, und sie blühen und eifern um die Wette in ihrer Farbenpracht. Den grünen Daumen hat mir Oma definitiv nicht vererbt. In meiner kleinen, aber gemütlichen Fünfundfünfzig-Quadratmeter-Wohnung habe ich schon alle Hände voll zu tun, die paar Orchideen, die ich besitze, am Leben zu erhalten. Was mir allerdings mehr schlecht als recht gelingt. Da wuchert nichts. Auch gedeiht nichts. Und blühen tut schon lange nichts mehr. Das einzige Anzeichen, dass die Orchideen noch am Leben sind, sind die noch immer satten, grünen Blätter der Pflanzen. Wenigstens etwas! Dabei schaue ich mir alles von meiner Oma ab. Ich rede mit den Blumen, gieße sie, berühre sie zärtlich (Pflanzen sind Lebewesen und man soll sie auch so behandeln, habe ich erst letztens irgendwo gelesen) – einmal habe ich sie sogar versucht zu beschwören und trotzdem, die Orchideen können sich einfach nicht dazu herablassen, erneut Knospen zu tragen. Hundsdinger!
Abgekämpft stehe ich nun vor der sperrigen, alten Holztür und drücke gleich darauf die große, rostige Klinke nach unten. Allen Sicherheitsfanatikern, Polizisten, Schlossexperten, Alarmanlagenbesitzern, Mordkommissären, Kriminalbeamten und Sowieso-immer-besser-Wissern würde sich beim Anblick dieser Tür aus dem neunzehnten Jahrhundert (oder so) in diesem Moment der Magen umdrehen; sind doch Türen, die sich von außen öffnen lassen, heutzutage absolut unüblich, unsicher und nicht mehr zeitgemäß. Aber das Haus meiner Oma hat nun einmal so eine Tür und irgendwie gehört die alte Holztür genauso zum Inventar, wie die große, schwarze Jugendstilstehuhr, der dicke, fette Hundert-Kilo-Röhrenfernseher und die Bettwäsche mit den lachs- und rosafarbenen Rosenblüten drauf.
Als die Tür aufgeht, springt zuallererst Salamander, der Hund meiner Oma, freudig an mir hoch und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Der kleine, schwarze Mischling ist bereits zehn Jahre alt, aber immer noch jugendlich aufgeweckt und leider viel zu übermütig.
Der Hund heißt übrigens wirklich Salamander! Ernsthaft! Ich schwöre! Ein mehr als nur komischer Name für so einen süßen Stinkerwuschel, ich weiß. Aber als Oma ihn das erste Mal gesehen hat, saß er zusammengekauert und schüchtern (von wegen!) in einem Schuhkarton, auf dem „Salamander-Schuhe“ stand, und himmelte sie mit seinen braunen, runden Riesenhundeaugen treuherzig an. Der Hund wusste also damals bereits, wie man uns Menschen um die Pfote wickelt. Eine Eigenschaft, die ihm durchaus bis heute geblieben ist. Bei der Erinnerung muss ich schmunzeln.
Natürlich hat sich Oma sofort in den Salamander-Schuh-Welpen mit dem „süßesten Blick der Welt“ verliebt und fand das sich ihr bietende Bild so umwerfend lustig, dass sie ihn sofort mitnahm und schlichtweg Salamander taufte. Trotz der vielen und wirklich lauten Proteste im Verwandten- und Freundeskreis blieb sie stur bei ihrer ersten Namenseingebung; ich jedoch finde es bis heute immer noch befremdlich, den kleinen Hund zu streicheln und ihn dabei liebevoll Salamander zu nennen. Ich meine Salamander! Geht’s noch? Ich nenne ihn daher meist „mein kleiner, süßer Kerl“ oder „kleiner, schwarzer Stinkerwuschel“ oder einfach nur „Hund“. Dabei fühle ich mich einfach wohler und ich bin mir fast zu hundert Prozent sicher, dass der Hund sich auch wohler fühlt, wenn man ihn nicht als Schwanzlurch bezeichnet.
Oma kommt mir bereits in der gewohnt gebückten Haltung und mit einem freudigen Lächeln, das immer so viel Wärme verbreitet, im Flur entgegen und nimmt mich gleich darauf in die Arme. „Schön, dass du da bist, meine Kleine“, empfängt sie mich; für meine Oma werde ich immer die Kleine bleiben, egal wie alt ich bin. „Komm rein“, fährt sie fort, „wir trinken Kaffee und essen ein Stück Kuchen und dann lass uns Karten spielen.“ Langsam trotte ich hinter ihr her ins warme Wohnzimmer. Eilig setzte ich mich an den großen, gemütlichen Massivholztisch, den ich so mag. Unter mir macht es sich Salamander sofort bequem. Im Ofen brennt das Feuer und durch das wohlige Knistern des verbrennenden Holzes breitet sich wie immer eine tiefe Zufriedenheit in mir aus.
Seitdem ich denken kann, nimmt das gemeinsame Kartenspielen einen überaus wichtigen Platz im Leben meiner Oma ein. Sie liebt es zu zocken, und schon beim Gedanken an ein bevorstehendes Spielchen bekommt sie ganz glasige Augen, einen nahezu gierigen Blick und mehr als nur süße rote Wangen. Ich liebe die roten Bäckchen meiner Oma. Irgendwie ist das immer ein Zeichen dafür, dass es ihr gerade gut geht und sie glücklich ist. Drei Dinge bringen die Wangen meiner Oma übrigens zum Erröten: Alkohol (und da reicht schon ein winziger kleiner Schluck Rum im Tee), der junge, neue Doktor aus Mariatrost und eben ein bevorstehendes Kartenspiel.
Ich registriere, dass sich langsam Ruhe und Geborgenheit bei mir einstellen. Die vorhin noch so bedrohliche Angst vor was auch immer ist wie weggeblasen, und ich merke, wie sich sämtliche Körperfunktionen wieder normalisieren. Mein Herz klopft wieder in einem regelmäßigen Rhythmus, ich habe aufgehört zu schwitzen und das Durchatmen fällt wieder leicht. Während ich meinen Angstgedanken nachhänge, hebe ich immer mal wieder den Kopf und beobachte die Oma dabei, wie sie mit ein paar gekonnten weil seit Jahren erprobten Handgriffen Kaffeewasser und Milch zum Kochen bringt. Während sie das tut, summt sie leise „Don’t Worry Be Happy“ von Bobby McFerrin vor sich hin. Ob sie weiß, wer Bobby McFerrin ist? Woher weiß ich denn überhaupt, dass das Lied von Bobby McFerrin ist? Weiß ich auch, wer Bobby McFerrin ist, oder weiß ich bloß seinen Namen? Angestrengt suche ich mein Gehirn nach dem Gesicht zu Bobby McFerrin ab – kann aber kein passendes finden. Egal! Allein die Tatsache, dass ich überhaupt einen Namen wie Bobby McFerrin im Zusammenhang mit „Don’t Worry Be Happy“ weiß, ist schon gigantisch. Ich weiß solche Dinge nämlich eigentlich nicht. Ich weiß solche Dinge nämlich eigentlich nie! Noch ganz erstaunt von mir selber, wandere ich mit meinen Gedanken jedoch wieder zurück zur Angstgeschichte. Warum auch immer mir gerade Bobby McFerrin in die Quere gekommen ist – der hat jetzt nichts zu suchen in meinem Gedankenspiel.
Ich liebe das Gefühl, wenn die Angst nachlässt. Irgendwie bin ich dann auch immer ein wenig stolz auf mich selber, die Angst ein weiteres Mal besiegt zu haben.
Wegen meiner Angst und Panikattacken bin ich nun seit einigen Wochen in Behandlung. Frau Dr. Hinterleitner – die Therapeutin, die ich letztendlich für mein Seelenwohl auserkoren habe – wie bei einem Casting habe ich davor einige Psychotherapeuten bei zahlreichen, sündhaft teuren Erstgesprächen genauestens unter die Lupe genommen –, hat mir beigebracht, die Angst auszuhalten, sie wie vorhin an die Hand zu nehmen und mit ihr spazieren zu gehen. Ihre Worte! Nicht meine! Ich habe mir außerdem wieder bewusst gemacht, auf welche Ressourcen ich selber in meiner Not zurückgreifen kann (naja, eigentlich war das auch meine Therapeutin). So bin ich beispielsweise beschenkt mit Gaben wie Liebe, Mut, Gelassenheit, Akzeptanz und Vertrauen (Therapeutin) und kann mit all diesen Gaben die Angst zwar nicht ganz aus meinem Leben verbannen, sie aber dadurch angeblich merklich verkleinern (wieder Therapeutin). Die Aussicht darauf, dass meine Angst einmal vielleicht nicht größer als ein kleiner bunter Hupfball sein wird (Therapeutin), lässt mich ruhiger werden. Wobei ich mich wirklich verdammt schwer dabei tue, an die Hupfballsache zu glauben. Ich meine – von einer Riesenblase schwarz wie die Nacht zu einem kleinen, bunten Hupfball ist es doch wirklich ein weiter Weg. Weit und steinig und schwer.
Ein lautes Klirren reißt mich erneut aus meinen Gedanken. Die Oma ist gerade dabei, das Kaffeegeschirr (um es mit ihren Worten zu sagen: das gute Kaffeeservice von der alten Tante Herta) aus dem Schrank zu holen und hat dabei eine Tasse fallen lassen, die aber zum Glück heil geblieben ist. Erleichtert blase ich die zuvor angehaltene Luft aus. Das Ganze hätte durchaus auch in einem Drama enden können!
„Nichts passiert, Mäuschen“, sagt Oma nun in meine Richtung und strahlt schon wieder über das ganze Gesicht. „Ich bin gleich bei dir“, vernehme ich noch, bevor sie erneut in den Refrain von „Don’t Worry Be Happy“ einsetzt. Trotz der eigentlich ja doch sehr eindeutigen Aufforderung, nicht „worried“ zu sein, muss ich gedanklich noch einmal zurückkehren zu Themen, die mich eben in letzter Zeit nicht ganz so „happy“ machen. Das An-die-Angst-denken ist manchmal fast wie ein innerer Zwang – oder aber einfach bloß das Thema, welches mich im Moment am meisten beschäftigt.
Seitdem ich mit der Angst lebe, fühle ich mich oft alleine. Außer mit meiner Mama und mit meinem Bruder Mark kann ich mit niemandem so richtig darüber sprechen. Würde ich das tun, würde man mich vermutlich gleich abstempeln, mich in eine Schublade mit all den ja so gestörten, psychisch kranken Irren stecken und mich mit einem scheinheilig mitleidigen Blick ansehen. Wie sehr ich doch diese Art von Blicken hasse. So selten kann man in den Augen seines Gegenübers echtes Mitgefühl erkennen. Viel leichter ist es da, Eigenschaften wie Schadenfreude oder Neid oder Missgunst am Blick des Gegenübers auszumachen. Mitgefühl hingegen sieht man nur ganz selten. Am ehrlichen Mitgefühlblick erkennt man unter anderem die Menschen, die einen mögen und lieben, davon bin ich überzeugt.
Dabei ist eine Angsterkrankung durchaus häufig. Wirklich! Ich bin keine außergewöhnliche Herausforderung für meine Psychologin. Ganz im Gegenteil. Anfangs meinte sie sogar: „Zehn Sitzungen, Frau Rogner, und wir haben Ihr Problem in den Griff bekommen. Vertrauen Sie mir.“
Darüber, dass es mittlerweile sechsundzwanzig Sitzungen und Rechnungen um die zweitausend Euro sind, spricht keiner von uns beiden. (...)


Die Autorin
Marlies Zebinger wurde 1981 in Graz, auch gleichzeitig Ort des Geschehens ihres ersten Romans „Keine Angst, es ist nur Liebe“, geboren. Heute wohnt sie in Leibnitz, einer kleinen Stadt im südlichen Österreich und genießt ihr Leben dort inmitten von Weinbergen und guten Restaurants.
Bevor Marlies ans wirkliche „Leben & Lieben“ ging, studierte sie ganz harmlos und manchmal auch ebenso lieblos - wie sie selbst sagt - Betriebswirtschaft.  In einer Lebens- und Angstkrise war sie gezwungen nach neuen Wegen und  einer ganz persönlichen Form von „Therapie“ zu suchen.  In einer Zeit also, in der ihr Leben ein wenig aus den Fugen zu geraten drohte, war es schließlich das Schreiben der Geschichte von Anna, das ihr dabei half, düstere Begleiter wie Angst und Panik wieder hinter sich zu lassen. Es ist Marlies´ großer Lebenstraum, andere an ihren Gedanken und Bildern teilhaben zu lassen und sie mit ihren Geschichten zu inspirieren und Mut zu machen.



Marlies Zebinger, Keine Angst, es ist nur Liebe



30. Juli 2014

Marlies Lüer, Miras Welt und Melissas Welt



Mira:
Die Autorin verwebt autobiografische Realität und Magie und entführt den Leser in Miras Welt, einen Altfrauen-Kokon aus Freundschaft, Liebe und Glaube. Die junge Journalistin Melissa, die innerhalb weniger Tage ihren Lebensmittelpunkt verliert, findet sich schließlich in „Gottes Gästezimmer“ wieder und gelangt in Miras Lindenhaus zu einer neuen Weltsicht.

Melissa:
Melissa Winter, geb. Fink, hat vor über zwanzig Jahren eine außergewöhnliche Frau kennengelernt: Mira Mertens, die im Auftrag der Engel arbeitete und verzweifelten Menschen Geborgenheit gab. Mira hatte auch ihr in großer Not geholfen und nahm die noch junge Melissa zu sich in das „Lindenhaus“ auf. Hier lebt Melissa nun mit ihrem Mann Robert und den Töchtern Hannah und Miranda, genannt Miri. Die spirituelle Macht der alten Mira reicht weit in Melissas Leben hinein und spendet auch Jahrzehnte nach ihrem Tod noch Schutz und Hilfe: in den prophezeiten Tagen des Schwarzen Hahnes.


Rezension:

Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.
Miras und Melissas Schicksale werden in zwei Romanen erzählt. Die Journalistin Melissa trifft im Rahmen einer Reportage auf die ältere Mira und damit eröffnet sich ihr eine andere Welt.

Esoterik, die Welt der Geistigkeit
der Heilerinnen und Heiler durch Kräuter, Engelsanrufung, dem zweiten Gesicht. Oft geschmäht und sogar verpönt in unserer Zeit, früher führte das „geheime“ Wissen zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen oder zur Suche nach dem Rezept, wie aus Stein Gold gemacht werden könnte.
Mira kann Kontakt mit dem Jenseits aufnehmen, ist eine spirituelle Persönlichkeit, die trotz großer Schicksalschläge, die sie in einem Buch niederschrieb, ihren Lebensmut nicht verliert.

Dieser große Schicksalsschlag,
den autistischen Sohn aufzuziehen und schließlich doch zu verlieren, hat mich sehr berührt. Das ist derart authentisch beschrieben, dass ich vermutete, Marlies Lüer kennt diese Situation selbst nur zu gut. Und dann wusste ich es, Miras Sohn steht für den Sohn der Autorin. Meine Respekt, meine Hochachtung. Diese Lebenssituation ist in Miras Geschichte stilvoll erzählt. Oft sehr ernst, aber auch vergnüglich und heiter geht es durch die Geschichte.

Eine Freundschaft über den Tod hinaus
verbindet Melissa mit Mira. In dem Folgebuch wird das Leben der Melissa 20 Jahre nach Miras Tod beschrieben.
Dieser Band ist viel weltlicher, erdiger, es geht um vielerlei Probleme, rebellierender Teenager, die Ehe steht auf der Kippe, ein turbulentes Leben, das sich in Miras Haus, das Melissa mit ihrer Familie nun bewohnt, abspielt. Wie es ausgeht, wird natürlich nicht verraten.

Knackiger, flüssiger und eleganter geschrieben
ist dieser 2. Band. Man sieht, die Autorin beherrscht das Handwerk nun sehr gut. War der 1. Band vor allem durch das tragische Schicksals des Sohnes von Mira bestimmt, ist dieser hier sehr frisch, lebendig und griffig: Voll ins Leben!

Ich empfehle beide Bücher sehr gern.

Elsa Rieger  
   

Die Autorin
Marlies Lüer, gebürtige Niedersächsin, lebt mit ihrem Mann seit 2009 in Baden-Württemberg in einer herrlichen Weinberggegend. Sie begann 2011 ihre schriftstellerische Laufbahn als Indie-Autorin. "Miras Welt" ist der erste von vielen Romanen. Derzeit ist u.a. eine Fantasy-Trilogie in Arbeit. Freuen Sie sich auf gute Unterhaltung!



Möchten Sie die Autorin und ihre Arbeiten näher kennenlernen? 
Besuchen Sie ihre Website: www.Kerzenschatztruhe.de


Marlies Lüer, Miras Welt. Traumstunden Verlag

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