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19. Januar 2015

Martin Bühler, Todestag



Carolin ist verheiratet, hat einen elfjährigem Sohn und ist erfolgreiche Managerin in Hamburg. Im Alter von 37 Jahren erkrankt sie unheilbar an Knochenkrebs. Sie entscheidet sich für den Freitod, sie will in der Schweiz die dort legale Sterbehilfe in Anspruch nehmen. 
Der Tod kommt unaufhaltsam näher, er nimmt keine Rücksicht auf äußere Umstände. Ich begleite Carolin bis zum letzten Atemzug in der Schweiz. Das Intimste der Welt ist der Tod, der uns alle früher oder später heimsucht.

Lassen Sie sich von mir die Geschichte einer Reise erzählen, zu der ich spontan aufbreche und die mich fast an meine Grenzen führt.

Leseprobe

Im Juni 2013 fuhr ich mit dem ICE die Strecke von Hamburg nach Würzburg. Ich saß neben einer Frau, mit der ich nach kurzer Zeit ins Gespräch kam. (…) Sie erzählte mir eine Geschichte: Ihre Schwester Carolin sei im Alter von 37 Jahren an unheilbarem Knochenkrebs erkrankt und jetzt – drei Jahre später – sei das Endstadium erreicht. Sie habe sich für den Freitod in der Schweiz entschieden. Sie sei verheiratet und habe einen elfjährigen Sohn. (…)
Diese Zugfahrt endete viel zu schnell, denn ich hätte mich mit meiner Mitreisenden noch sehr viel länger unterhalten können. Tage später dachte ich immer noch über das Gespräch im Zug nach.
Ich fasste den Entschluss, mich mit dem Thema Tod und Freitod zu beschäftigen.
Mich ergriff das Interesse an den Beweggründen der Menschen, die bewusst und gezielt in den Tod gehen. Ich nahm deshalb Kontakt zu meiner damaligen Zugbekanntschaft auf und fragte sie über Facebook, ob ein Gespräch mit ihrer Schwester möglich sei und ob sie für mich den Kontakt herstellen könne. Nur wenige Stunden später antwortete mir Carolin selbst via Facebook. Grundsätzlich, so schrieb sie, sei sie bereit, darüber zu sprechen, insbesondere über ihre letzten Jahre.
Am folgenden Tag sprach ich das erste Mal am Telefon persönlich mit Carolin. Ich war sehr überrascht, wie offen sie darüber sprach, an einem bestimmten Tag bewusst in den Tod zu gehen.
Ihre Beweggründe waren ganz andere als ich anfangs gedacht hatte. Ich hatte angenommen, dass sie sich die Schmerzen und Qualen ersparen wollte, aber es war ganz anders. Sie machte mir klar, dass sie diesen Weg gehen wollte, um ihrem elfjährigen Sohn und ihrem Mann den Anblick des Elends – so nannte sie es – zu ersparen.
Sie wollte ihren letzten Schritt in der Schweiz alleine gehen. Ihre beste Freundin lehnte es ab, mit Ihr zu kommen und bei Ihr zu sein, denn sie konnte es einfach nicht.
Unüberlegt sagte ich damals zu ihr, dass doch ich mitkommen könne. Sie antwortete spontan: „Warum nicht? Besser als alleine zu sterben.“
Mein Vorschlag war unüberlegt und dumm gewesen. Ich konnte mir nicht einmal sicher sein, dass ich emotional dazu in der Lage war, beim Sterben eines Menschen dabei zu sein, nicht virtuell, sondern live und real. (...)

Der Autor
Martin Bühler wurde am 01.11.1973 in der kleinen schwäbischen Stadt Krumbach geboren.
Nach seiner Schulzeit studierte er Aquakultur und arbeitete mehrere Jahre in Italien und Spanien.
Seit dem Jahr 2001 lebt er an der westlichen Küste Nordfrieslands in der Nähe der Hafenstadt Husum.
Im Jahr 2011 fing er erstmals an, offen über das Thema Samenspende und Kinderwunscherfüllung zu sprechen und zu schreiben.
2012 schrieb er sein erstes Buch „Der Samenspender Martin1973“, anfangs veröffentlichte er als Selbstverleger, später über den Miller Verlag.
Danach folgten Ratgeber zur Kinderwunschthematik wie „Schwanger ohne Sex“ und „Familienglück durch private Samenspende“.
Zum Thema Kinderwunsch durch Samenspende entstanden zahlreiche Beiträge, u. a. bei Stern TV (RTL), Mona Lisa (ZDF) und Planetopia (SAT1).
Danach erfolgten Berichterstattungen des Axel Springer Verlages, u. a. in Bild der Frau und Bild.de.
Seine Begeisterung, bestehende Tabus in unserer Gesellschaft anzusprechen und öffentlich zu diskutieren, wuchs von Tag zu Tag. Mit seiner provozierenden Art, öffentliche Diskussionen anzuregen, gefällt ihm und wurde zur Passion. Die Themen sind mittlerweile umfangreich und vielschichtig.
Sein Motto ist: Das Leben schreibt die interessantesten
Geschichten.

Die aktuellen Blogs sind:
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Martin Bühler, Todestag

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18. Januar 2015

Cordula Broicher, Wind von Westen



Niederwesseling 1793. Agnes, die junge Halfin des Kirchhofs, ist nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes gezwungen, sich so bald wie möglich neu zu vermählen. Die Wahl ihres Vaters Jakob Frings fällt auf Balthasar Broicher, den fünften Sohn eines wohlhabenden Halfen aus dem benachbarten Godorf. Die Zeiten sind unruhig. Die Alliierten pressen die letzten Heu- und Haferrationen aus den Bauern heraus, von Westen droht der Einmarsch der französischen Revolutionsarmee. Der Kirchhof ist schon seit langem verschuldet, doch nun drohen Einquartierungen und Repressalien den Menschen im Dorf ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Das sind jedoch keine Gedanken, mit denen sich Balthasar dieser Tage beschäftigt, schon seit Jahren heimlich in Agnes verliebt, sieht er sich endlich am Ziel seiner Träume. Doch am Hochzeitstag schaut er nur in feindselige Gesichter. 
Wird er sich gegen Jakob Frings Tyrannei behaupten, und, vor allem, wird er das Herz seiner Frau erobern können?

Leseprobe:

Der Halfe ist tot
April 1793

Der Wind stand auf Nordwesten. Balthasar hob den Kopf, betrachtete missmutig die geschlossene Wolkendecke und den stetig fallenden Regen. So, wie es aussah, würde er auch den Rest des Tages in der dunklen Scheune verbringen müssen und Zaunpfähle sägen. In der Luft lag der würzige Duft regennasser Erde. Er atmete tief ein und sog ihn in sich auf, kostete diesen winzigen Moment der Freiheit in vollen Zügen aus.
„Willst du da draußen Wurzeln schlagen?“ Bernhards helle Stimme verhallte wie immer ohne rechte Drohung.
„Oder ist sich unser Pastor zu fein für ein bisschen Regen?“, spottete Caspar was bei den Männern promptes Gelächter auslöste. Balthasar grinste. Das Verhalten seiner Brüder war so vorhersehbar wie die Schlägerei mit den Wesselingern am Kirmessonntag. Nach außen gaben sie sich laut und rau, zeigten Ecken und Kanten, ließen sich aber butterweich um die kleinen Finger der Weiber wickeln.
Er wechselte die zu schleifende Axt in die andere Hand und lehnte sich abwartend gegen den Torrahmen der großen Scheune. Noch konnte er nicht gehen. Noch fehlte der krönende Abschluss.
Er musste nicht lange warten. Nur wenige Augenblicke später zischte ein stattliches Holzscheit wenige Fingerbreit an seinem Ohr vorbei und platschte in eine der unzähligen Pfützen.
„Mach voran! Ich will mit den Balken bis Mittag fertig werden!“
Schade, offensichtlich war der Geduldsfaden seines ältesten Bruders heute besonders kurz. Gemächlich stieß sich Balthasar vom Torrahmen ab und schlenderte los, sicher, Max damit soweit zu provozieren, weitere Holzscheite folgen zu lassen und somit dem Tag ein wenig Würze zu geben.
Einige Geschosse später, als er gerade die Tür zur Werkstatt öffnen wollte, trat ein ärmlich gekleideter Mann aus dem Wohnhaus. Sein fadenscheiniger Mantel hing wie ein nasser Sack an ihm herab und auch die Wollstrümpfe hatten schon bessere Zeiten gesehen. Er schaute zum Himmel und verharrte den Moment, den ein Stoßgebet dauerte, bevor er seinen durchweichten Hut ein wenig tiefer ins Gesicht zog. Dann nickte er Balthasar zu und stapfte, ungeachtet der Pfützen, mit ausholenden Schritten davon.
Balthasar ließ Werkstatt Werkstatt sein und eilte ins Haus.
Zwei der Mägde standen am Herdfeuer und bereiteten das Mittagessen, die dritte kam gerade mit zwei Bechern aus der Stube. Sein Gefühl hatte ihn also nicht getrogen: Der Mann hatte wichtige Nachrichten gebracht.
„Wer war das?“ Wegen seiner nassen Stiefel blieb er auf der Schwelle stehen und schaute zu seiner Schwägerin hinüber, die am anderen Ende des Herdraums saß und ihre jüngste Tochter stillte.
„Rein oder raus! Die feuchte Luft ist nicht gut fürs Kind!“
Balthasar trat einen Schritt zurück und schloss die Tür hinter sich.
„Wer war das?“, wiederholte er geduldig seine Frage.
Anne zog ihr wollenes Schultertuch bis über den Kopf des Säuglings. „Der Leichenbitter vom Frings.“
„Der alte Frings ist tot?“
„Nein, der Göddert, Gott sei seiner Seele gnädig.“ Sie bekreuzigte sich.
„Der Göddert?“ Balthasar schlug ebenfalls ein Kreuzzeichen für den Verstorbenen und bemühte sich gleichzeitig, die aufflammende Aufregung zu unterdrücken.
„Die arme Agnes.“
Da Anne es bei diesem Kommentar bewenden ließ, zerrte er die Stiefel von den Füßen, schlüpfte in ein Paar trockene Holzschuhe und ging an ihr vorbei in die Stube. Wie erwartet, saß der Vater auf der gepolsterten Bank und zog gemächlich an seiner Pfeife.
„Was ist passiert?“ Balthasar schob sich einen Stuhl zurecht und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch.
„Ein Kaltblut hat ihn erwischt. Gestern beim Ausschirren.“
Der hämmernde Herzschlag in Balthasars Ohren dröhnte inzwischen so laut, als stecke er mit dem Kopf in einer läutenden Kirchenglocke. So lange hatte er auf diesen Moment gewartet und nun konnte er keinen klaren Gedanken fassen.
„Bin gespannt, wer den Hof übernehmen wird“, fuhr Friedrich Broicher nach einer Weile fort.
„Ich.“ Am liebsten hätte er sich auf die Zunge gebissen, aber dafür war es zu spät. Stattdessen reckte er das Kinn und wartete auf die Reaktion seines Vaters.
„Du hast Interesse am Fringsschen Hof?“ Der Alte musterte ihn kritisch.
„Seit sieben Jahren Krausens-Gödderts Hof“, knurrte Balthasar, verärgert darüber, dass der Vater die Übernahme immer noch nicht wahrhaben wollte.
„Eben nicht Krausens Hof!“ So energisch seine arthritischen Finger es zuließen, stellte der Vater die Pfeife auf den Tisch. „Der Göddert hat doch all die Jahre nur befolgt, was der alte Frings ihm auftrug.“
Balthasars Schweigen trennte sie, wie das dunkle Tuch den Beichtstuhl von den Gläubigen.
Schließlich war es wieder der Vater, der sprach. „Warte auf einen anderen Hof. Du bist noch jung, hast noch Zeit genug, um eine besseren Hof zu übernehmen. Einen, den du eines Tages voller Stolz deinem eigenen Sohn hinterlassen kannst. Diesen hier wird Gödderts Sohn bekommen.“
Darauf gab es nichts zu entgegnen. Der alte Frings hatte seine älteste Tochter Agnes vor sieben Jahren mit Krausens-Göddert verheiratet, weil er aus den Schulden nicht mehr raus kam. Das Cassius-Stift in Bonn hatte den Pachtvertrag auf die beiden überschrieben und Göddert musste für die Abzahlung von Jacob Frings Schulden bürgen. Doch noch hatte der Göddert nichts von den Schulden seines Schwiegervaters abgetragen, im Gegenteil, es waren neue hinzugekommen, denn in den letzten Jahren hatten alle Bauern nicht nur mit Hagelschlag und Mäusefraß zu kämpfen. Auch die alliierten Truppen schröpften sie mit Einquartierungen, Hand- und Spanndiensten, Stroh- und Haferforderungen. Zu allem Überfluss ließ der alte Frings keine Neuerungen zu, so dass die Erträge niedrig blieben.
Alles gute Gründe, die gegen eine Übernahme des Niederwesselinger Halfenhofs sprachen. Aber die kannte Balthasar selbst am besten; er hatte sie sich schließlich jedes Mal vorgebetet, wenn er sich in seinen Träumen wieder einmal neben Agnes stehen sah.
„Nur ein gesundes Kind in sieben Jahren Ehe.“
Balthasar presste die Zähne aufeinander, dass es knirschte. Sollte der Vater reden, seinem Mund würde kein weiteres falsches Wort entwischen.
„Und überhaupt, die ganze Lage des Hofs ist verteufelt verzwickt.“ Wachsam, ob seine Schwiegertochter die letzten Worte gehört hatte, wandte sein Vater den Blick zur Tür. Als von dort nur geschäftiges Treiben zu vernehmen war, fuhr er fort: „Wer weiß, was der Pfälzer in Zukunft wieder aushecken wird?“
Nun, niemand wusste, was sich die hohen Herren als Nächstes ausdachten, und die Lage von Niederwesseling war wirklich äußerst vertrackt. Einer kleinen Insel gleich, lag es räumlich im Erzbistum Köln, gehörte jedoch zum Hoheitsgebiet des Herzogtums Jülich-Berg, ein Batzen des großen Kuchens, der dem Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor gehörte.
„Außerdem ist der Hof völlig heruntergekommen.“ Mit einer flüchtigen Geste fuhr die Hand des Vaters durch die Luft. Balthasars Augen folgten dieser Bewegung, betrachteten die vornehm ausgestattete Stube, auf die sein Vater zu Recht stolz war. Der Rahmen des Nussbaumschranks an der Kopfseite des Raumes war mit aufwendig geschnitzten Weinblättern verziert, die Standuhr in der Ecke hatte ein Uhrmacher aus dem Bergischen gefertigt. Selbst die Verkleidung des Alkovens, in dem Max und seine Frau Anne schliefen, war in einem zarten Grün gestrichen und mit einer bunten Blumenranke verziert. Zudem verbreitete im Winter, neben der obligatorischen Takenplatte[1], ein gusseiserner Säulenofen zusätzliche Wärme und passend zur gepolsterten Bank standen drei lederbezogene Lehnstühle am blank polierten Eichentisch.
Die Stube des Antoniterhofs zeugte vom Wohlstand ihres Besitzers, wogegen die Stube des Kirchhofs höchstens mit der eines mittleren Bauern zu vergleichen war. Aber das war ihm egal. Er brauchte keinen Reichtum. Noch nicht. Was sollte das Leben für einen Sinn haben, wenn er sich mit vierundzwanzig Jahren ins gemachte Nest setzte? Er wollte etwas aufbauen. Eigene Ideen umsetzen und miterleben, wie sie fruchteten. Dafür hätte er in Niederwesseling immerhin 120 Morgen Land zur Verfügung. Und auch wenn es größere Halfen, reichere Dörfer gab, blieb der Kirchhof Herrenhof, mit all den entsprechenden Privilegien. In den Genuss der Steuervorteile käme er demnach ohne eigenes Hinzutun, aber das Amt des Schöffen oder Ortsvorstehers würde er sich verdienen müssen. So wie Max, der in Godorf hoch angesehen war und bereits seit Jahren als Schöffe Recht sprach. Auch wenn viele Männer seine aufbrausende Art fürchteten und schnell klein bei gaben, wenn es eigentlich nur galt, den längeren Atem zu haben; Max war nicht käuflich, hörte Jedermann zu und wägte in aller Ruhe ab, bevor er eine Entscheidung traf. Und auf diese Eigenschaften würde er jetzt setzen, denn trotz aller Einwände des Vaters war es wichtiger, Max auf seine Seite zu ziehen.
Endlich hörte er die Haustür ins Schloss fallen. Der zweite Akt konnte beginnen.
„Max! Deine Stiefel!“
„Sei still, Frau!“
Die Absätze seines ältesten Bruders knallten rhythmisch auf den Fliesenboden des Herdraums und kurz darauf stand er in der Stube.
„Wer meinst du, dass du bist? Der feine Herr hält einen netten Plausch, während die Knechte die Arbeit verrichten?“ Max packte ihn am Kragen und zog ihn vom Stuhl.
Da er wusste, dass es Max weiter erzürnen würde, ließ er sich die Behandlung klaglos gefallen.
Inzwischen hatte das Gesicht seines Bruders eine dunkelrote Farbe angenommen. „Häng nicht rum wie ein nasser Sack! Wehr dich! Oder haben sie im Kloster eine feine Nonne aus dir gemacht?“ (...)


Die Autorin

Cordula Broicher wurde 1962 in Hessen geboren. Nach vielen Umzügen in ihrer Kindheit und Jugend wurde sie 1995 in der Schlossstadt Brühl endlich heimisch. Hier lebt sie mit Mann, zwei Kindern, Enkelsohn und Labradorhündin Paula.
Bücher waren schon von klein auf ihre Möglichkeit des Rückzugs in eigene Welten, aus denen sie sich auch heute noch manches Mal schwer lösen kann. Ihre Zeit verbringt sie neben Beruf und Schreiben am liebsten mit Lesen oder genießt auf Hundespaziergängen die Natur in der Umgebung.


Cordula Broicher, Wind von Westen

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14. Januar 2015

SCHREIBTALK: Zwanzig ...

Mal in eigener Sache: 



SCHREIBTALK: Zwanzig ...: ... und ein etwas anderer, sehr persönlicher, Eintrag hier auf meinem Blog, als meine Leser von mir gewohnt sind. Gestern Abend, als ich ...

3. Januar 2015

Anna Becker, Ein loyaler Geist



Sie harrten geduckt in ihrem engen Versteck aus. Warteten darauf, ihren Plan umzusetzen. Er hatte den Arm um ihre Schultern gelegt und drückte sie fest an sich, nicht nur wegen des knapp bemessenen Raumes. Diese Geste sollte seine Liebe ausdrücken und ihr Zuversicht vermitteln. Der anschwellende Lärm über ihren Köpfen war beängstigend. Dann verlagerte sich das Gepolter nach unten; die Geräusche der Zerstörung kamen näher.
Was für ein Schlamassel! Wie hatte das passieren können? Hätte sie das verlockende Angebot besser ausgeschlagen? Ein Schnäppchen von einem Haus in Notting Hill. Und als Zugabe ein Bild von einem Mann als Vermieter – berühmt, attraktiv und Witwer. Aber mal ehrlich, wer würde dem Prickeln widerstehen, ein neues Leben zu beginnen? Ein Leben mit überraschenden Gefühlen und Wendungen …


Rezension:

Also wir haben einen beeindruckenden Witwer
den ich nicht von der Bettkante stoßen würde, wir haben eine reizende junge Frau, die bei ihm einzieht. Ferner haben wir eine flippige ältere Freundin der jungen Frau, die in jungen Jahren Punk war, und dann haben wir da noch einen Geist, den ich hier wohlweislich nicht näher beschreiben werde.

Gerne schreibe ich aber über Ambiente und Charme
dieser Novelle. Anna Becker hat ihre Idee so vergnüglich gestaltet, lebendig,
nachvollziehbar trotz des mystischen Momentes, ganz schön zu lesen. Es kommt zu allerhand Missverständnissen und Verquickungen, zuletzt zur unerwarteten Wendung, die schließlich Leser und die Figuren befriedigen.

Eine kleine, feine Story,
die vor dem offenen Kaminfeuer gelesen werden sollte, schließlich spielt sie im kühlen London.

Elsa Rieger   



Die Autorin




Anna Becker, geb. 1957, hat Werbekommunikation studiert und als Werbetexterin und Konzeptionerin in Agenturen in München, Stuttgart und Berlin gearbeitet. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten im Mystery-Bereich, größtenteils als E-Books bei Amazon erhältlich.
Drei ihrer Kurzgeschichten erschienen im Laufe des Jahres 2011 in verschiedenen Anthologien.
"Die Zeitreise-Agentin" ist ihr Debütroman, der im Dezember 2011 das Licht der Öffentlichkeit erblickte.
Ab Mai 2012 veröffentlichte sie den Fantasy-Roman "Jamie", den 2. Teil der Zeitreisen-Trilogie "Der Zeitreisen-Detektor", die Kurzgeschichten-Sammlung "Götter, Wesen & Dämonen", den Feen-Roman "Hannah und der Meisterdieb" sowie die vampirische Kurzgeschichte "Weiß-rote Weihnachten".
2013 begann mit dem 3. Teil des Zeitreisen-Abenteuers: "Das Zeitreisen-Imperium". Dann folgten die dystopische Kurzgeschichte "Versteinerte Zukunft", der Tarot-Roman "Ruf der Karten“ und ihr erster Vampir-Roman: der Thriller "Sog des Blutes".
Neu in 2014: die Kurzgeschichte "Verirrter Stern", die Liebesgeschichte "Violets Garten", der Teenager-Roman "Berührung mit der Erinnerung", die Mystery-Geschichte "Waldhotel" und die Liebeskomödie "Ein loyaler Geist".
Anna Becker lebt mit ihrem Mann und zwei Kaninchen in Berlin.


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